Anna Maloivanenko, Saporizhzhja, Ukraine.

Ich bin davon ?berzeugt, dass Au-pair-Jahr in Deutschland als die wundersch?nste Zeit in meinen Gedanken auf ewig bleibt. Immer noch erinnere ich daran wenigstens einmal im Tag.

Also, wie kam ich auf die Idee als Au-Pair nach Deutschland zu fahren? Jetzt scheint es mir, dass die Reise nur die logische Folge meines vorherigen Lebens war. Sehr einfach, ich studierte Deutsch ab 5. Klasse und erhielt sp?ter den Beruf von Lehrerin. Und was sollte Au-Pair ?brig machen k?nnen?

Als ich schon die Absolventin der p?dagogischen Fachschule wurde, teilte meine beste Freundin mit, dass sie als Au-Pair nach Deutschland f?hrt. Damals wusste ich noch nicht, dass ich selber nach vier Jahren auf einem Rastplatz in M?nchen stehen bleiben und auf meinen Gastvater warten werde.

Es war ein schw?ler Oktobernachmittag. Ich stieg aus dem ukrainischen Bus mit zwei riesengro?en Reisetaschen aus. Zwei Tagen und eine Nacht im Bus waren endlich vorbei. Und drei Grenzen waren endlich ?berquert. Ich war im Fremdenland und kannte hier niemanden. Mein Herz war voll von Aufregung. Mein Bewusstsein profitierte Ver?nderungen in meinem Leben. Und die Worte „Ich hab?s geschafft!“ klopften in meinem Kopf. Solches Gef?hl hat man nur in dem Fall, als ob der gro?e Traum in Erf?llung k?me. Und mir war es egal, dass ich die Gasteltern ins Gesicht nicht kannte und keine deutsche SIM-Karte dabei hatte, um sie zu telefonieren.

Ich stand da alleine und wartete auf Ulrich — meinen zuk?nftigen Gastvater. Es dauerte nicht lange, bis er mit dem VW-Bus ankam. Damals dachte ich mir, er sollte richtig denken, ich hatte wirklich viele Sachen dabei.

Er war ein h?bscher Mann rund vierzig mit dem ?ffentlichen L?cheln. Wir mussten nach Augsburg fahren und wir hatten genug Zeit zu plaudern. Er war so froh, dass ich seine Muttersprache sprechen konnte, obwohl ich mein Deutsch schrecklich fand. Ungef?hr nach einer Stunde erreichten wir mein neues Zuhause, wo die Gastmutter und drei sch?nen M?dchen auf mich mit gro?er Ungeduld warteten. In dieser Zeit brauchte ich nur hei?e Dusche und warmes Essen. Ich war zu aufgeregt und m?de. Nach dem leckeren Abendessen lies mich die Familie in meinem neuen Zimmer.

N?chsten Tag war Samstag. Fit und gutgelaunt wollte ich schon mehr sehen als nur ein zweist?ckiges Haus. Als Plan wurde der Spaziergang im Zentrum Augsburg vorgestellt. So begann meine Au-Pair-Zeit in Bayern.

Jeden Tag entdeckte ich etwas Neues. Mein Deutsch wurde immer besser. So gut, dass ich die deutschen B?cher nicht nur lesen, sondern auch verstehen konnte. Zwei Wochen sp?ter nach dem Ankommen meldete ich mich bei der Volkshochschule zum Sprachkurs an. Das half mir die neuen Leute kennen zu lernen. Meine besten Freundinnen wurden die M?dels aus Georgien, Slowakei, Rum?nien und Polen. Mit zwei von ihnen schreiben wir uns immer noch. Ich erinnere mich manchmal an einer komischen Situation, die mich immer noch bewundert. Wir verstanden uns ganz gut, obwohl wir auf der deutschen Sprache kommunizieren mussten, die f?r uns alle keine Muttersprache war. Ich glaube, unser Gespr?ch klingelte ganz putzig. Es gab so viele Fehler und so viel Verst?ndnis!

Die Au-Pair-Zeit geh?rt zweifellos zu den besten Augenblicken meines Lebens. Ich bin sicher, dass ich dabei Gl?ck in der Sache hatte. Ich hatte alles, wovon Au-Pair tr?umen k?nnte. Das waren die gute Beziehungen in der Gastfamilie, freundliche Kinder, treue Freunde und eine Menge gute Bekannte. Glauben sie mir, f?r Au-Pair ist das Wichtigste in den schwierigen Situationen Unterst?tzung zu haben. Hier spielt gro?e Rolle die Zusammenarbeit der Au-Pair-Agentur mit ihren Au-Pairs.

Also, ich hatte die gute Unterst?tzung und au?erdem nicht viel Hausarbeit, zwei freie Tage in der Woche und die M?glichkeit den Sprachkurs zu besuchen und ganz oft zu reisen. Nur zwei Schwierigkeiten trafen mich in ersten Monaten des Aufenthalts in Deutschland – Sehnsucht nach der Ukraine und Sprachhindernisse.

Meine Sehnsucht ?berging manchmal in die tiefe Depression. Die Au-Pairs, die sich l?nger als ich in Deutschland befanden, versuchten mich zu beruhigen und sagten: „Warte mal ab! In halbes Jahr wirst du sagen — ich will nicht heim zur?ck.“ Diese Worte wurden sp?ter Prophet.

Die Angst Deutsch zu sprechen hat mich begleitet bis die komische Geschichte mit mir geschah. Das passierte gleich nach dem ersten Deutschunterricht. Mein Kurs fand sp?t am Abend statt. Ich hatte schon den Fahrausweis und war diesen Tag in Augsburg zum zweiten Mal in meinem Leben. Ich musste nach dem Unterricht allein nach Hause fahren. Und lassen Sie sich nicht bewundern, ich verlief mich. Ich fuhr genau mit richtiger Stra?enbahn, aber in falscher Richtung. Stellen Sie sich vor! Nat?rlich hatte ich keine Zeit nachzudenken ob ich korrekt die deutschen W?rter aussprach. Ich musste mich nach Hause bringen. Gott sei dank, zeigte ein Mann mir den Weg zu meiner Haltestelle. So war ich gerettet! Und danach hatte ich schon niemals Probleme mit der Fremdsprache. Ich konnte gleichzeitig Deutsch denken und sprechen.

Eine Menge Zeit verbrachte ich nat?rlich mit den Kindern. Mit ihnen zu spielen, basteln oder malen ist es immer attraktiv. Wir Erwachsene halten die Kinder f?r die unerfahrenen unlogischen Wesen und schenken oft wenig Aufmerksamkeit zu ihren ?berlegungen. Wir sollten aber viel von Kindern zu lernen. Sie haben noch keine Klischees und Begrenzungen, die wir von unserer Gesellschaft erhalten. Deshalb sind die Kinder die reine Weise in Person. Man hat immer so einen fliegenden Zustand, wenn man sich mit Kindern unterh?lt. Sie bemerkten es bestimmt auch, nicht wahr?

Meine Erinnerungen und Fotoalben sind voll von Reisebildern. Das waren supertolle Fahrten, die ich dank der Au-Pair-Zeit verwirklichen konnte. Ein Samstag im Monat wurde der Reise gewidmet. Wir fuhren mit der Agentur irgendwohin in Bayern. Manchmal auch weiter. Nach Salzburg, zum Beispiel. Die Fahrten brachten immer viel Riesenfreude, obwohl fast alle von ihnen ziemlich extrem waren. Meinen Sie, dass es um 6 in der fr?hen Samstag aufzustehen nicht extrem ist? Oder wenn es regnet, zum Bahnhof zu beeilen? Ja, das Bayernticket  war unsere M?glichkeit etwas mehr als Augsburg zu sehen. Und gab es dabei so viele lustige Kleinigkeiten, die sich im Kopf so lange halten. Die gro?e Aufmerksamkeit verdienen unsere liebe Exkursionsleiter – ein freundlicher Herr Pulsfort und die nette Frau Meier. N?mlich mit ihnen besichtigten wir M?nchen, Ulm, N?rnberg, Regensburg, Ammersee mit dem Kloster Andechs, Schloss Neuschwannstein und viele andere sch?ne Pl?tze Deutschlands. Ich bin pers?nlich sehr dankbar diesen Leuten. Ihr Verh?ltnis zu Au-Pair ist so nett und aufrichtig freundlich. W?hrend der Au-Pair-Zeit wurden alle Mitarbeiter der Agentur f?r uns die richtigen Freunde, treu und hilfsbereit. Das Weihnachtsfest in unserem Raum in Augsburg war unvergesslich. Die Au-Pairs sammelten rund den Tisch im Warmen der Weihnachtskerzen, die Duft der verschiedenen S??igkeiten und Gl?hwein. Wir bekamen sogar die Geschenke von Santa! Das war f?r mich das gr??te Fest dieses Jahres.

Au?erdem hatte ich und meine Freundinnen Gelegenheit auch ohne Agentur viel zu reisen. Wir und unsere Geldbeutel bevorzugten die Wochenendenreisen in Europa. Karneval in Venedig, Paris mit ihrer Eiffelturm, Amsterdam – das alles besuchte ich in einem Jahr. Mein Gott, viele Leute sehen das nie in ihrem Leben! Soll ich klagen, dass ich kein Gl?ck habe? Ich bin bereit jede Minute „Danke“ dem Gott sagen, dass ich und ihr alle auch in der Zeitraum leben, wann der Welt uns so viele M?glichkeiten gibt!